Grammatikvermittlung

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1. Welche Grammatiken verwenden Sie und wozu?

Ich verwende folgende Grammatiken: 1) linguistische Grammatik; 2) Lernergrammatik/didaktische Grammatik/pädagogische Grammatik; 3) Grammatik „im Kopf“.

Linguistische Grammatik benutze ich zu persönlichen wissenschaftlichen Zwecken, z.B. um Regelmäßigkeiten (Ähnlichkeiten und/oder Unterschiede) im Gebrauch der Aufforderungskathegorie in mehreren Sprachen festzustellen.

Pädagogische Grammatik gebrauche ich für Unterrichtszwecke, um das abstrakte Regelsystem im Unterricht didaktisch angemessen zu präsentieren und auf solche Weise den Lernern Hilfe beim Spracherwerb (Aneignung von vier Fertigkeiten: Lesen, Schreiben, Sprechen, Hören) sowie bei der Sprachanwendung zu leisten.

Meine Grammatik „im Kopf“ benötige ich in der natürlichen Kommunikation (schriftlichen sowie mündlichen), d.h. meine erworbenen/angeeigneten grammatischen Kenntnisse werden in der Redetätigkeit je nach der Absicht/Intention selektiv realisiert.

2. Verwenden Ihre Schüler eine Grammatik? Welche?

Meine Schüler benutzen Grammatik „im Kopf“ (aus denselben Gründen, wie ich, siehe den letzten Absatz im Punkt 1.) und Grammatik im Buch/Lernergrammatik mit dem Ziel sich mit grammatischen Regeln vertrauter zu werden, um „die [grammatischen – E.K.] Erscheinungen selbst in ihren verschiedenen Formen darzustellen und den Gebrauch mit Beispielen zu belegen“ (FSE, S. 135).

3. Finden Sie es nötig eine Grammatik im Unterricht zu verwenden?

Ich plädiere dafür, von der pädagogischen Grammatik im Unterricht Gebrauch zu machen. Es lohnt sich, diese Grammatik als Grundlage für den Unterricht einzusetzen, um Lerner sicherer und vertrauter mit ihr zu machen. Ich halte es für wichtig funktionale Grammatik anzuwenden, die es zeigt, welche sprachlichen Mittel für eine konkrete Sprachintention auf dem jeweiligen Sprachniveau zur Verfügung stehen und welche aus diesem Grunde als Handwerkzeug/Instrument zum Erwerb sowie Anwendung der Fremdsprache gilt.

VISUALISIERUNG GRAMMATISCHER STRUKTUREN

Vielfalt von Visualisierungsmitteln in „Schritte“

(Die Seiten des Lehrwerkes sind hier und hier)

„Schritte“ verwendet unterschiedliche Visualisierungsmöglichkeiten für die Einführung vom Perfekt in angemessener Gewichtung, was der Betonung der eingeführten grammatischen Information dient. Das sind folgende visuelle Hilfsmittel: 1) drucktechnisch-graphische Hilfsmittel; 2) abstrakte Symbole; 3) konkrete Symbole.

Zu den drucktechnisch-graphischen Hilfsmitteln gehören: a) Halbfettdruck vom Hilfsverb (haben und/oder sein) und Partizip II (Du hast gestern nichts gelernt (S. 60) und Ich bin doch in die Schule gegangen (S.61)), b) Verwendung von Farben für die optische Markierung vom Hilfsverb, Präfix ge- und Suffixen –en/-t. Durch die angeführten drucktechnisch-graphischen Hilfsmittel wird die neue grammatische Struktur veranschaulicht.

Abstrakte Symbolisierung stellt die „Positionierung“ der eingeführten grammatischen Struktur in Rechtecke dar (siehe Grammatikspots auf S. 60 und 61). Dadurch wird die Satzposition (Satzklammer) des Hilfsverbes (haben oder sein) und des Partizips II (gemacht, geschlafen, gegangen, gefahren, gekommen) visualisiert und die Funktion der Verben graphisch hervorgehoben.

Als konkrete Formen der visuellen Hilfe treten in „Schritte“ Bilder auf. Durch die bildliche Darstellung von Kalenderseiten in der Übung C1 (S. 60) wird der Unterschied zwischen zwei „oppositionellen“ Zeitformen (Präsens als Ausdruck der Gegenwart und Perfekt als Ausdruck der Vergangenheit) klar, auf solche Weise lernen die Teilnehmer die abstrakte Regel besser. Durch die bildliche Darstellung von einem Bagger und zwei Mülltonnen in der Übung C3 wird der Unterschied in der Perfektbildung zwischen schwachen und starken Verben deutlich. In der Übung D2 wird die Fortbewegung mit hilfe von einem Pfeil markiert und auf solche Weise die Verbindung zwischen dem Bild und der Bedeutung vom Verb sein im Perfekt geschaffen. Es reicht nur sich an ein konkretes Bild zu erinnern, um sich der abstakten Regel wieder bewusst zu werden.

VERGLEICH DER PRÄSENTATION VON DASS-SÄTZEN IN 3 AKTUELLEN GRAMMATIKLEHRWERKEN

Einfach Grammatik A1-B1

Sprache

Bei der Grammatikpräsentation verwendet das Lehrwerk „Einfach Grammatik A1—B1“ eine einfache, verständliche und auf die Zielgruppe und Niveau (A2) abgestimmte Sprache (dies lässt sich am Beispielstext oben auf der Seite 183 sowie an der Regel und an Übungen auf der Seite 184 feststellen). Der Schwierichkeitsgrad des Beispieltextes über Lukas ist der Niveaustufe angemessen, es gibt da kaum Wörter, die das Verständnis erschweren. Das Thema im Text hängt mit der Situation „Tagesablauf“ zusammen: das einfache und plausible Beispiel schafft eine situative Einbettung. Zudem sind da die grammatischen Strukturen zu beobachten, die den Lernern schon bekannt sein sollen (z. B. das Vorherrschen vom Präsens unter anderen Zeitformen (diese Zeitform wird auf dem Niveau A1 eingeführt) usw.). In den Regelformulierungen (A2 und A2 auf der S. 183) lassen sich keine sprachwissenschaftlichen Spezialbegriffe finden. Die Regeln sind so dargestellt, dass selbstentdeckendes Lernen seitens der Teilnehmer gefördert wird: über kleine Aufgabenschritte (A1 und A2, S.183) entdecken die Lerner die Regel selbst, was die Verständlichkeit und Klarheit der Sprache noch einmal belegt.


DaF-Übungsgrammatik für Anfänger

Übersichtlichkeit

In der „DaF-Übungsgrammatik für Anfänger“ tragen der Übersichtlichkeit drucktechnisch-graphische Mittel sowie die Strukturierung der ganzen Doppelseite bei. Alles wirkt kompakt und voll.

Durch den Halbfettdruck der Themabezeichnung oben auf der Seite 122 (dass-Sätze) wird auf den ersten Blick klar, worum es geht. Die Positionierung der Regel mit Beispielen links auf der Seite 122 und die „Unterbringung“ der Übungsseite rechts (S. 123) schaffen eine günstige Lesbarkeitslage für die Lerner, weil sie bei jedem Bedürfnis den Blick von rechts nach links wenden können, um nötige theoretische Defizite nachzuholen. Klare Trennung von Regeln und Beispielen auf der linken theoretischen Seite entsteht durch deren farbige Markierung: die Regel ist grün markiert, wärend Beispiele in schwarzer Schrift sind. Die Übersichtlichkeit wird durch die tabellarische Darstellung der Regel (siehe unten auf der Seite 122) gefördert. Dank verschiedenen Druckstypen in einem angemessenen Gleichgewicht ist die ganze Darstellung nicht gedrängt: z.B. gleichzeitige Kombination vom Halbfettdruck und der Kursivschrift kennzeichnet die Arbeitsanweisungen im eigentlichen Sinne Ergänzen Sie / Ergänzen Sie den richtigen Ausdruck, wobei die Beispiele zu den einzelnen Übungen in grauer Kursivschrift (Wussten Sie schon, dass…?) oder in Normalschrift präsentiert werden (siehe Beispiel zu der Übung 24, S. 123). Zudem sind die zu modifizierenden Wörter grün markiert (siehe die in Klammern stehenden Wörter in der Übung 24). Sinnvolle Verwendung von der strukturellen Organisation der Doppellseite schaffen auch die regelmässigen Absatzeinrückungen sowie gleiche Durchschüsse, was die ganze Darstellung vereinheitlicht und zugleich bestimmte sinnvolle Einheiten optisch voneinander trennt.

Klipp und Klar

Klarheit der Gliederung

Die Klarheit der Gliederung in „Klipp und Klar“ lässt sich als durchsschnittlich (= im durchschnittlichen Masse) bezeichnen. Der Gliederungsgrad der theoretischen Seite (S. 122) ist niedriger als der von der praktischen Seite mit Übungen (S. 123).

Zwar werden auf der Seite 122 viele drucktechnische Hilfsmittel verwendet (Halbfettdruck von der Satzklammer im Perfekt hat gelernt usw.; Löschung „unnötiger“ Formen (Partizip II) in einer konkreten grammatischen Struktur (Perfekt von Verben mit der Empfindungssemantik = Empfindungsbedeutung) usw.), die optische Wahrnehmung wird aber durch Folgendes erschwert: 1) jedes grammatische Problem (a. bleiben, gehen, fahren; b. lernen; c. hören, sehen usw.) wird in einen Rahmen positioniert; 2) Beispiele sowie Bezeichnungen von grammatischen Formen (Perfekt mit „sein“ / Perfekt mit “haben”) werden in gleicher Schriftgrösse präsentiert; 3) es gibt keine Unterpunkte und wenig Regel (nur oben rechts und unten zentriert).

Dagegen ist die Seite 123 klar gegliedert. Starke Gliederung der Seite wird durch Platz; Schrifttypen (Halbfettdruck für Arbeitsanweisungen und Kursivschrift für Beispiele); unterschiedlieche Schriftgrösse für die Arbeitsanweisungen und Übungen; ungleiche Markierung von der Übungsnummer (der Zahl folgt eine Klammer) und der Satznummer in der Übung (nach der Zahl steht ein Punkt); optische Hilfen für die Trennung von den beiden Repliken in den dialogischen Einheiten in Übungen 3, 4, 6 (wärend vor der Stimulusreplik ein schwarzer Punkt steht, wird die Antwortreplik mit einem weissen Punkt gekennzeichnet), so dass den Lernern klar wird, wem welche Replik gehört.

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Veröffentlicht on April 17, 2009 at 12:20 pm  Schreibe einen Kommentar  

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