Lernerautonomie: warum nicht? Lernstrategien, aber wie?

Der Begriff der Lernerautonomie wurde von Henrie Holec ursprünglich mit Blick auf die Erwachsenenbildung geprägt. Die damit verbundene Idee der Selbstbestimmung und Selbststeuerung des Lerners geht mit den Leitvorstellungen der Reformpädagogik konform, Schüler zu eigenverantwortlichem Handeln zu erziehen. Lernerautonomie ist eine besonders konsequente Form der Lernerorientierung mit dem Grundgedanken, den Lernenden selbst über Ziele, Inhalte, Methoden, Arbeitstechniken, Evaluationsformen sowie zeitliches und räumliches Umfeld bestimmen zu lassen. Lernerautonomie und selbstgesteuertes Lernen entsprechen einer konstruktivistischen Lerntheorie.

Voraussetzungen für das Gelingen von Lernerautonomie

Methodische Umsetzung

Lernen durch Lehren

Lernen durch Lehren ist eine handlungsorientierte Unterrichtsmethode, in der Schüler oder Studenten lernen, indem sie sich den Stoff gegenseitig unterrichten. Es kann in allen Fächern, Schultypen und Altersstufen eingesetzt werden. Auch wenn der Begriff gelegentlich für das klassenübergreifende Unterrichten von jüngeren Schülern durch ältere benutzt wird, hat sich in der Fachwelt der Terminus „Lernen durch Lehren“ (LdL) für gegenseitiges Lehren innerhalb eines Klassenverbandes etabliert.

Freiarbeit (auch Freie Arbeit) ist eine Form des Offenen Unterrichts. Freiarbeit wurde beispielsweise von den Reformpädagogen Célestin Freinet und Maria Montessori – allerdings mit unterschiedlichen Intentionen eingesetzt.

Projektunterricht, auch Projektarbeit, bezeichnet allgemein die Organisation des Unterrichts als Arbeit an einem Projekt, wird aber speziell in der Pädagogik zusammen mit dem synonymen Begriff der Projektmethode für eine seit Anfang der 1970er Jahre verstärkt diskutierte Reformidee gebraucht, vor allem in der Hochschuldidaktik. Anfang der 1980er Jahre erfolgte eine verstärkte Adaption in der Schulpädagogik als Reaktion auf den Frontalunterricht sowie in der Erwachsenen- und Weiterbildung.

LERNSTRATEGIEN

Lernstrategien erleichtern die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung neuer Informationen, wobei zwischen „oberflächlichen“ Wiederholungsstrategien und „tiefen“ Elaborationsstrategien unterschieden werden kann. Klassische Gedächtnistechniken erleichtern das Behalten neuartiger Informationen vor allem dann, wenn es sich um sinnarmes, unverbundenes Lernmaterial handelt.

Formal betrachtet beschreiben Lernstrategien Verhaltenweisen, die zur Bewältigung von Lernaufgaben dienen können. Lernstrategien lassen sich in drei Ebenen betrachten:

  • Mit kognitiven Lernstrategien sind jene Aspekte gemeint, die mit der unmittelbaren Informationsaufnahme zu tun haben, etwa konkrete Arbeitstechniken, die man zum Einprägen von neuen Informationen anwendet. Dazu gehören Organisieren (Skizzen anfertigen, Schlüsselwörter unterstreichen bzw. markieren), Elaborieren (Ausdenken von konkreten Beispielen, Bildung von Analogien zu bereits bekanntem Wissen), kritisches Prüfen von Argumentationszusammenhängen, das Nachdenken über Alternativen zum gerade Erlernten, das Wiederholen durch mehrmaliges Lesen oder auch das Auswendiglernen von Schlüsselbegriffen.
  • Metakognitive Lernstrategien beziehen sich weniger auf den eigentlichen Lernvorgang, sondern mehr auf die Kontrolle des eigenen Lernfortschrittes, also das selbständige Planen der Lernschritte (Reihenfolge festlegen, Relevantes vom Irrelevanten trennen), das Überwachen des Lernerfolges und der Lernschritte (Beispielaufgaben durcharbeiten, anderen den Lernstoff zu erklären versuchen).
  • Ressourcenbezogene Lernstrategien beziehen sich in erster Linie auf die Organisation und die Rahmenbedingungen des Lernens. Dazu gehören Anstrengung, Aufmerksamkeit, Willensstärke und Konzentration auch bei ungeliebten Stoffgebieten, das Ausdehnen der Lernzeiten auch auf Abend und Wochenende, das Zeitmanagement (Lernzeiten, Pausen festlegen und einhalten), die Arbeitsplatzgestaltung, dass keine Ablenktungen auftreten können (z.B. TV, Haustier, Kollegen) und dass notwendige Hilfsmittel greifbar sind (Stifte, Rechner, Papier), die Nutzung zusätzlicher Informationsquellen (Lexika, Wörterbücher, WWW, CD-ROMS, Bücher, Bibliothek), das Lernen in Gemeinschaften (Lerngruppen, Diskussionen über Lernstoff in Diskussionsforen, Chat, E-Mail an Lehrer).

Die folgende Grafik nach Baumert (1993) liefert eine mögliche Strukturierung und verweist auf die Zusammenhänge:

Strategien zur Verarbeitung von Informationen

Im Hinblick auf die Verarbeitung von Informationen unterscheidet man zwei Hauptstrategien:

  • Elaborieren Ziel des Elaborierens ist es, die neuen Informationen mit verwandten und/oder bereits bekannten Informationen in Beziehung zu setzen, um so das Neue besser zu verstehen. Elaborieren kann schwerpunktmäßig bildhaft oder verbal geschehen. Typisch hierfür sind z.B.: umschreiben, Beispiele suchen, Aufgaben/Fragen entwerfen, mit dem Vorwissen verknüpfen, Analogien bilden, eigene Erfahrungen und Ideen suchen, Vermutungen aufstellen und Schlußfolgerungen ziehen
  • Organisieren: Ziel des Organisierens ist es, die neuen Informationen nach ihren Teilen und deren Beziehungen zu ordnen, um so die Informationsfülle zu reduzieren und den Abruf von Informationen über Strukturen zu lenken. Geht es beim Elaborieren um das Anreichern der Information, handelt es sich hier um den entgegengesetzten Prozeß der Reduktion. Beispiele: Hauptideen und Einzelheiten bestimmen, Informationen strukturieren und Informationen zusammenfassen.

Metakognitionen

Metakognitionen lassen sich grob in zwei Prozesse untergliedern: Metakognitives Wissen und metakognitive Kontrolle. Beide sind entscheidend für einen bewußten und reflektierenden Lernprozeß und tragen nach neueren Erkenntnissen erheblich zum Lernerfolg bei.

  • Wissen/Bewußtsein über das eigene Lernen
    Beim Lernen soll sich der Lernende des ganzen Lernprozesses im notwendigen Maß bewußt sein. Fragen, die sich der Lernende stellt, betreffen die gestellte Aufgabe und Lernsituation, die eigene Person (Vorwissen, Lerngewohnheiten, Motivation, Fähigkeiten) und Lernstrategien (welche, wann, warum, wie)
  • Kontrolle und Anpassung des eigenen Lernens
    Das Wissen/Bewußtsein über den Lernprozeß ist zu überführen in eine laufende Kontrolle des Lernprozesses in bezug auf die Zielerreichung und gegebenenfalls notwendige Anpassungen des Lernprozesses, solange die Zielerreichung nicht befriedigend ist.

Hier kommen Prozesse des Überwachens, Testens, Hinterfragens, Revidierens und Bewertens ins Spiel. Überwachung bezieht sich auf die kontinuierliche Beobachtung und Interpretation des Lerngeschehens im Hinblick auf den Lernfortschritt (Wieweit wird die gestellte Aufgabe erfüllt? Wo liegen gegebenenfalls Schwierigkeiten?) und den angemessenen Einsatz von Lernstrategien (Werden die geeigneten Lernstrategien eingesetzt? Werden die Lernstrategien wirksam eingesetzt?). Testen hat damit zu tun, daß der Lernende überprüft, ob er noch auf dem Weg der Zielerreichung ist. Mechanismen der Revision kommen zum Zuge, wenn Probleme oder Blockaden auftauchen. Er kann über andere Strategien nachdenken oder Ursachen analysieren. Bei der Evaluation überprüft und bewertet der Lernende den erreichten Zustand (Ergebnis) und er verschafft sich Klarheit darüber, was noch verändert werden muß.

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Published in: on Januar 14, 2010 at 7:45 pm  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

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